L'ÉTAT, C'EST MOI.
Aktivitäten im Kontext NSK STAAT
"1992, in der Folge der slowenischen Unabhängigkeit, gründete das Künstlerkollektiv 'Neue Slowenische Kunst' (Laibach, IRWIN, Scipion Nasice Theater Group), NSK, den 'NSK State in Time'. Die Erfindung dieses virtuellen Staates ohne Territorium war eine Antwort auf den ambivalenten Status des Nationalstaates und auf dominante Vorstellungen von Territorium, ethnischen Gruppen und Grenzen. Die Initiative wurde von anderen slowenischen Künstlern und Theoretikern unterstützt und erschien als ein utopisches Konzept frei von territorialen Voraussetzungen. Der Staat ist ein utopisches Gebilde ohne territoriale Ansprüche, das sich mit keinem real existierenden Staat identifiziert und mittlerweile zu einem kollektiven (Kunst)Werk mit etwa zehntausend Mitgliedern angewachsen ist."
aus: Pressemitteilung First NSK Citizens Congress, Oktober 2010
Diskussionsbeitrag für "Laibach Community"
Zum Problem der Überidentifikation nach innen - Eine kritische Betrachtung
Die Zukunft des NSK-Staates wurde beim Bürgerkongress 2010 in Berlin kontrovers diskutiert. Letztendliches Ergebnis der Debatte war die - durchaus nicht unumstrittene - Fortsetzung des Staatskonstrukts in weitgehender Unabhängigkeit von den slowenischen Gründergruppen. Bis zu diesem Zeitpunkt bedeutete die Staatsbürgerschaft ein Bekenntnis zum Künstlerkollektiv NSK, was sowohl Interesse als auch Verständnis für die künstlerischen und politischen Strategien der Neuen Slowenischen Kunst voraussetzte.
Diese Strategien waren stets an ihre temporalen Kontexte gebunden und allein schon dadurch permanenten Modifikationen unterworfen. Eine wesentliche Konstante war und ist die Laibachsche Ästhetik. Dass diese Praxis über Jahrzehnte und ungeachtet der massiven globalen Veränderungen gelingen konnte, zeugt von der Qualität der Neuen Slowenischen Kunst und von der Wirksamkeit ihrer Methode der Überidentifikation mit den aktuell bestehenden Verhältnissen. Von Anfang an war die subversive Kraft der NSK eng gekoppelt an ihre provokante Außenwirkung; die Reaktionen der Öffentlichkeit waren und sind integraler Bestandteil der Gesamtstrategie. Entscheidend für den Erfolg war die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Traumata des 20. Jahrhunderts und den mit ihnen einhergehenden Paradigmenwechseln. NSK war in dieser Hinsicht meist auf der Höhe der Zeit, die Themen und deren künstlerische Verarbeitung wurden fast immer äußerst zeitnah, manchmal mit etwas Bedenkzeit, den aktuellen Erfordernissen angepasst. Dies gilt (inhaltlich und musikalisch) für Laibachs Konzeptalben ebenso wie für die bildkünstlerischen und anderen Projekte der slowenischen Gründergruppen.
In diesem Kontext kann die Gründung des NSK-Staates zunächst als – nicht zuletzt werbewirksame - politische Aktion vor dem Hintergrund der neuen nationalstaatlichen Aufteilung Osteuropas in den frühen 90er Jahren angesehen werden. Der Erwerb eines Passes war anfangs im Grunde ein rein ideeller Akt. Als Passinhaber war man in die Lage versetzt, sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlen, ohne jedoch aktiv in Erscheinung treten zu können. Erst die beunruhigenden massenhaften, auf kriminellen Falschinformationen basierenden Passbeantragungen aus Nigeria, machten ein Eingreifen der Gründer und ein allgemeines Umdenken notwendig. Die Folge war der Bürgerkongress in Berlin und die Neubewertung der Staatsidee. Der NSK-Staat, bis Oktober 2010 de facto ein Fanclub, wandelte sich in ein aus sich selbst heraus funktionierendes Kollektiv, das nunmehr in Anlehnung an die NSK-Traditionen und in Gemeinsamkeit mit den Gründergruppen dezentral agiert.
Insofern war das Phänomen der Überidentifikation mit dem NSK-Staat durch die betrogenen nigerianischen Passinhaber der Auslöser für die Neuorientierung des Staates selbst. Als NSK-Staatsbürger mag man dies begrüßen, der eigentlichen Strategie der Überidentifikation und ebenso der Idee des NSK-Staates – in seiner alten wie in seiner neuen Ausformung - widerspricht diese Tatsache jedoch hundertprozentig. Gleichwohl eröffnete dieses Paradoxon für ambitionierte Passinhaber völlig neue Möglichkeiten der Teilhabe am Staatsgeschehen.
Betrachtet man nun die aktuellen Aktivitäten innerhalb des NSK-Staates, sei es auf den entsprechenden Internetseiten und -foren, bei Facebook oder YouTube und auch bei der Rezeption verschiedener Folk-Art-Ausstellungen, ist zu konstatieren, dass sich, von Ausnahmen abgesehen, die gemeinschaftlichen Interessen nach wie vor massiv auf die Arbeit der Gründergruppen fokussieren. Die Überidentifikation der (aktiven) Staatsbürger richtet sich augenscheinlich eher nach innen, bezieht sich also grundsätzlich auf den NSK-Staat als solchen. Als Voraussetzung für ein weiter gehendes Handeln ist dies natürlich durchaus vorteilhaft. Will man jedoch dem Staat eine künstlerische, politische oder philosophische Strahlkraft nach außen verleihen, kann diese Praxis auf Dauer nicht genügen. Streng betrachtet, verkehrt sie das NSK-Prinzip auf diese Weise sogar in ihr Gegenteil.
Seit ihrem Auftauchen aus der slowenischen Subkultur konnte man die Wirkung der Neuen Slowenischen Kunst an ihrer Reibung an den jeweils relevanten gesellschaftspolitischen Fragen messen. Mit ihrer ungewöhnlichen Methode, bewusst auf jede oppositionelle Attitüde zu verzichten, sondern stattdessen die Rituale und Symbole der herrschenden Verhältnisse scheinbar frei jeglicher Ironie in die eigene Ikonografie zu integrieren, gelang es NSK über drei Jahrzehnte hinweg, äußerst effektiv zu provozieren und ihrem Gegenüber – Freund oder Feind – ein unsicheres Terrain zuzuweisen. Natürlich war die Brisanz ihrer Arbeitsweise in den 80er Jahren deutlich spürbarer als nach dem Zusammenbruch der osteuropäischen Diktaturen und dem Ende des Kalten Krieges. Der Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien, die Gründung neuer Nationalstaaten, die geopolitische Situation nach 9/11, die aktuellen Kriege, der EU-Anschluss großer Teile Osteuropas sowie der trotz seiner gegenwärtigen Verfallserscheinungen anhaltende Triumph des neoliberalen globalen Kapitalismus erforderten und erfordern neue Sichtweisen, Strategien und Utopien. Stellt man in Rechnung, dass gerade für viele Kunstschaffende, die sich inhaltlich mit ähnlichen Themen befassten, der Systemwechsel und das plötzliche Fehlen eines konkret benennbaren Gegners große Probleme mit sich brachten, kann man feststellen, dass die NSK-Protagonisten mit den genannten Veränderungen nach wie vor recht souverän umgehen. Trotz des momentan etwas auffälligen Trends die eigene Historie aufzuarbeiten (was angesichts der langjährigen Arbeit der NSK-Gruppen jedoch legitim ist), basiert die Wirkung und die Faszination der Neuen Slowenischen Kunst neben ihrer Treue zu den eigenen Prinzipien immer noch auf ihrer Unangepasstheit und ihrem Umgang mit den Fragen der Zeit. Wie am Anfang ihres Bestehens ist NSK als künstlerisch, politisch und philosophisch handelndes Kollektiv unbotmäßig und extrovertiert.
Die Situation des NSK-Staates bietet ein anderes Bild.
In der Regel wird die Relevanz von Staaten, ihrer Wirkung nach innen und außen, am Handeln ihrer Regierungen und an der Akzeptanz dieser Regierungen bei ihren Staatsbürgern gemessen. Der NSK-Staat verfügt über keine Regierung. Demzufolge liegt die Verantwortung für die Bedeutung des NSK STATE IN TIME ausschließlich in den Händen der Bürgerinnen und Bürger. Diese Chance kann im Kontext der gegenwärtigen weltweit zu konstatierenden Abkehr zahlloser Menschen sowohl von diktatorischen als auch von jahrzehntelang zementierten parteiendominierten parlamentarischen Regierungsformen nur als historisch betrachtet werden! Die geopolitischen Katastrophen, welche im Zuge des, sich ausschließlich an ökonomischen Belangen orientierenden globalen Neoliberalismus bereits eingetreten bzw. noch zu erwarten sind, haben das ohnehin zweifelhafte Vertrauen der Mehrheit in die politischen Eliten der Welt nachhaltig erschüttert. Die Reaktionen reichen von offenem Aufruhr bis hin zu Resignation und Rückzug ins Private. Im Gegensatz zu nahezu allen Staaten der Welt, kann man beim NSK-Staat von einer hohen Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit der Staatsidee ausgehen, die auf der Arbeit der slowenischen Gründergruppen basiert. Diese Idee für die Gegenwart und Zukunft mit Leben zu erfüllen, erfordert nun die Aktivitäten jedes Einzelnen, welche sich in ihrer Summe als kollektives Handeln manifestieren können.
Nicht jede Staatsbürgerin, nicht jeder Staatsbürger fühlt sich berufen, aktiv an der Gestaltung des Staates selbst mitzuwirken. Das ist normal und stellt kein Problem dar. Bedauerlich ist jedoch, dass der NSK-Staat es bisher kaum vermocht hat, gestaltend zu wirken. Der Großteil der Aktivitäten ist aus der Überidentifikation mit dem Staat selbst vornehmlich nach innen gerichtet. Nach wie vor klammert sich der Staat an Vergangenes, die Mehrzahl der aktiven Staatsbürger richten den Blick ausschließlich ins Zentrum, also auf die Protagonisten der Neuen Slowenischen Kunst, begleitet deren Aktionen, als wären es die eigenen und geben damit die Verantwortung, die sich aus den eigenen Möglichkeiten ergeben sollte, wieder in die Hände derer, die den Staat ohnehin seit dessen Gründung geprägt haben.
Diese Überidentifikation nach innen kann weder im Interesse des NSK-Staates noch im Interesse der Gründergruppen sein. Während Laibach, IRWIN usw. als weltweit anerkannte und etablierte Künstler agieren und gerade durch diesen Status die Möglichkeiten der Neuen Slowenischen Kunst effektiv einzusetzen verstehen, zeigt der NSK-Staat (als Kollektiv frei entscheidender Bürgerinnen und Bürger) derzeit kaum Ambitionen, über die Unterstützung der Kerngruppen hinaus eigene Akzente zu setzen. Selbst wenn viele Passinhaber neben ihrem Interesse und ihrer Begeisterung für NSK politisch und/oder künstlerisch aktiv sind – was definitiv der Fall ist – hinterlässt dies momentan kaum Spuren in der Außenwirkung des NSK-Staates. Damit wird der Staat zu einem Rückzugsgebiet, zu einem auf Konsens gründenden Mikrokosmos, gleichsam zu einem globalen Heimatmuseum. Dieser Zustand stellt den Sinn des NSK-Staates als solchen infrage und - was ebenso fatal ist – bremst auf Dauer auch die Relevanz der Arbeit der NSK-Gründer, deren Erfindung der NSK-Staat schließlich ist.
Der NSK-Staat in seiner neuen Ausformung seit dem Berliner Bürgerkongress existiert noch keine zwei Jahre. Insofern wäre es verfrüht davon zu sprechen, dass der Staat bereits in eine Sackgasse geraten ist. Die Gefahr, in einer solchen, und damit in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, besteht aber durchaus. Den einzig richtigen Weg haben die Beschlüsse des Kongresses bereits vorgezeichnet: gefordert ist das Handeln und die Kreativität der Bürgerinnen und Bürger selbst. Integrieren wir die eigenen politischen und künstlerischen Intentionen in das Wirken des NSK-Staates! Betrachten wir die Aktivitäten der Gründer als qualitativen Maßstab, nicht als ästhetische und ideologische Dogmen! Diese Praxis wird zu Kontroversen führen, denen der Staat bisher kaum ausgesetzt war. Doch gerade die zu erwartenden Debatten werden den NSK STATE IN TIME zu einem dynamischen Kollektiv wachsen lassen. Verpassen wir den Zeitpunkt einer Kurskorrektur wird der NSK-Passport wieder das sein, was er für viele bis 2010 gewesen ist – ein Fanclub-Ausweis.
März 2012
RED CROSS MEETS BLACK CROSS
"Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist weltumfassend. In ihr haben alle Nationalen Gesellschaften gleiche Rechte und die Pflicht, einander zu helfen."
Die Grundsätze wurden von der XX. Internationalen Rotkreuzkonferenz 1965 in Wien proklamiert.
Es gibt eine ganze Reihe historischer Rotkreuz-Plakate, die durch simples Schwärzen des Kreuzes absolut NSK-kompatibel werden. Hier sind drei Beispiele.
Standortbestimmung - Juni 2011
BEFRAGUNG
Du warst bzw. bist Mitglied der Leipziger Künstlergruppe solitaire factory. Gibt es die Gruppe eigentlich noch?
Offiziell aufgelöst haben wir uns nicht, aber die Produktion ruht gewissermaßen. Gelegentlich haben wir ältere Arbeiten in anderen Kontexten noch einmal gezeigt, dann gab es meist darüber hinaus auch irgendetwas Neues zu sehen. Wenn die Zeit reif ist, kommt es vielleicht zu einer Wiederbelebung.
Bei vielen eurer gemeinsamen Projekte fällt eine gewisse Nähe zur Neuen Slowenischen Kunst auf. Das ist doch sicher kein Zufall?
Nein. Wobei sich unsere Affinität zur NSK erst im Laufe der Zeit entwickelt hat. Die Entscheidung, von Anfang an ausschließlich als Gruppe, also ohne Nennung der eigenen Namen aufzutreten, hatte damit zunächst nicht viel zu tun. Und unsere Arbeiten waren ebenfalls schon vor der Gründung der solitaire factory oft mit politischem Anspruch. Dass wir uns formal in einigen Projekten auf die NSK-Ästhetik bezogen haben, lag vor allem daran, dass wir uns viel mit dem Thema beschäftigt haben und vom Konzept des Gesamtkunstwerks begeistert sind. Die meisten Parallelen ergaben sich aber meiner Meinung nach aus einer ähnlichen Sozialisation. Als Ostdeutsche sind wir in einer Diktatur aufgewachsen, die es auszutricksen und schließlich zu überwinden galt. Repressionen waren an der Tagesordnung, sie gehörten zum Alltag und wurden oft gar nicht mehr als solche bewusst wahrgenommen. Und wir lebten in einer industriell geprägten Provinzialität, die immer auch einen Hang zum Größenwahn hatte. Die Hauptaufgabe war es, dabei nicht den Spaß zu verlieren.
Wie gelang euch das?
Vor allem durch die Musik, würde ich denken. Mich persönlich hat Punk sehr geprägt, aber auch experimentellere Bands wie Einstürzende Neubauten, Test Dept. oder Die Tödliche Doris, die ja auch schon früh einen künstlerischen Anspruch hatten. Außerdem war es spannend und lustig, Staatsfeind zu sein. Man musste nicht viel tun, um ernst genommen zu werden. Aber die Musik und die entsprechende subkulturelle Zuordnung spielte sicher die größte Rolle.
Laibach?
Laibach kenne ich seit Mitte der 80er, damals natürlich vor allem das Opus-Dei-Album. Die Musik und die Ästhetik waren beeindruckend, aber verstanden habe ich die Intentionen erst Anfang der Neunziger Jahre, als ich mich intensiver mit NSK als Ganzem beschäftigt habe. Seitdem ist Laibach für mich erst richtig wichtig geworden. Wobei ich wenig mit der Gothic-Szene zu tun habe und lange Zeit überhaupt nicht verstanden habe, weshalb Laibach so oft in diesen Zusammenhängen verortet wird.
Zurück zur solitaire factory. Ihr habt gegen Ende der Neunziger Jahre einiges an Symbolik von NSK übernommen.
Nicht direkt, aber NSK hat uns schon inspiriert. Wir haben uns immer überall bedient, wofür wir aus formalen und inhaltlichen Gründen Verwendung finden konnten. Unser Arbeitsprinzip war ein fröhlicher Eklektizismus. Das gilt für mich auch heute noch. Solitaire factory hat tatsächlich verschiedene Elemente aufgegriffen, wie Malewitschs Kreuz und das Schwarze Quadrat, außerdem die Banner oder die Verwendung politisch unkorrekter Symbole. Das kam sicher daher, dass wir auf die NSK und ihre Außenwirkung ein bisschen neidisch waren und uns ohnehin als Brüder im Geiste verstanden haben. Andererseits hatten wir nie vor, die Ausschließlichkeit, mit der NSK ihre künstlerische Position manifestierte, zu übernehmen. Für das wirklich Totalitäre waren wir zu anarchistisch. Die Berührungspunkte gab es aber und sie waren auch so gewollt. Unsere Projekte waren immer unsere eigenen und wir hätten sicher kaum anders gearbeitet, wenn wir NSK nicht gekannt hätten. Vor allem wollten wir vermeiden, Rammstein der bildenden Kunst zu werden. Das war aber nicht schwer, weil wir einfach das gemacht haben, was wir für richtig hielten.
Reden wir über diese Projekte. Die solitaire factory galt ja als sehr produktiv. Welche Arbeiten sind deiner Ansicht nach durch NSK inspiriert gewesen?
Die Frage lässt sich schwer beantworten. Wir selbst waren ja – nicht nur, aber auch - von NSK inspiriert. Manchen Projekten hat man es angesehen, anderen weniger. Fast alle unserer Arbeiten sind in irgendeiner Weise ideologiekritisch. Meist haben wir ein historisches Thema als Ausgangspunkt genommen und dieses mit künstlerischen Mitteln hinterfragt. Oft ging es dabei weniger um den geschichtlichen Hintergrund als solchen, sondern um dessen Wirkung auf die Psychologie der Massen und ihre Nachwirkungen in die heutige Zeit hinein.
Das klingt ziemlich abstrakt.
Ja, in der Rückschau werden mir viele Dinge bewusster als in der Zeit ihres Entstehens. Wir haben meistens eher intuitiv gearbeitet. Bei vielen Projekten haben wir uns gewundert, welche Wirkung unsere Arbeiten auf die Betrachter hatten. Diese Wirkung war nie kalkuliert. Es gab Arbeiten, die wir für viel zu plakativ hielten, die aber kaum jemand auf Anhieb richtig verstanden hat. Bei manchen Projekten wollten wir einfach etwas Lustiges machen, dabei heraus kam etwas Deprimierendes. Irgendwann haben wir erkannt, dass wir die Wirkung nicht steuern konnten und verließen uns einfach auf unser Bauchgefühl. Das hat dann eigentlich immer erstaunlich gut funktioniert.
Die factory hatte eine ganze Menge Fans...
Stimmt. Haben wir immer noch.
Rede trotzdem noch ein wenig über Aktionen oder Projekte, die eine Nähe zur NSK hatten. Wie war das zum Beispiel bei der Ausstellung mit den Mao-Zitaten? Dazu gab es ja sogar eine Anzeige im KREUZER (Leipziger Stadtmagazin) mit einem Hitlerjungen.
Ja, da haben wir wirklich alle Register gezogen. Die Ausstellungseröffnung fiel zusammen mit einem lange geplanten Neonazi-Aufmarsch in Leipzig. Noch dazu am Ersten Mai, dem Tag der Arbeit. Und der Projektraum, in dem die Ausstellung stattfinden sollte, war in den Räumen der ehemaligen Iskra-Gedenkstätte, wo Lenin vor der Revolution die gleichnamige Zeitung gegründet hatte. Als Eröffnungsredner konnten wir Igor Zabel aus Ljubljana gewinnen, den wir von einer Ausstellung in Ungarn kannten. Selbst der Galerist hat bis zur letzten Minute gedacht, der Redner aus Slowenien wäre ein typischer factory-fake. War es aber nicht. Bei dieser Ausstellung stimmte einfach alles. Es gab Plakate, auf denen ein Arbeiter mit schwerem Hammer zusehen war, - ein Motiv von einem Geldschein aus der Kaiserzeit, das wir immer wieder gern verwendet haben, und die Anzeige mit dem Hitlerjungen vor einer Fahne mit dem solitaire-factory-Logo. Am Haus hingen drei solitaire-factory-Banner. Und das alles an einem Tag, an dem sich die ganze Stadt auf ein Neonazi-Spektakel mit den üblichen Begleitunruhen vorbereitete. Während der Ausstellung gab es noch eine Aktion, die sich mit Aufständen und Rebellionen in der Weltgeschichte befasste. Und einen Sänger, der Arbeiterkampflieder zum Besten gab. Okay, das war schon eine NSK-reife Inszenierung.
Erzähle noch etwas über die Ausstellung selbst.
Der Titel der Ausstellung war ein Mao-Zitat: „Die Arbeiten am Gelben Fluss müssen gut durchgeführt werden“ Diese Installation haben wir im Anschluss noch an anderen Orten gezeigt, z.B. in der VOXXX-Galerie in Chemnitz und im Kunstverein Ludwigshafen. Zu sehen waren über 300 als Blöcke gehangene Männer-Porträts, allesamt mehr oder weniger Verbrechervisagen. Die Köpfe stammten aus einem Detektiv-Heftchen, das der Kinderzeitung „Yps“ beigelegt war. In diesem Heft waren sie dreigeteilt: Haare, Augen und Nase, Kinnpartie. Man konnte tausende verschiedene Gesichter daraus zusammenstellen, Fahndungsporträts. Zu dieser Masse stupider Gesichter gab es von uns ein Buch mit dem Titel „Die Acht Großen Thesen zur Verbesserung der Lage der Deutschen“, das wir, sortiert nach Themen, mit Zitaten aus der Mao-Bibel bestückt hatten. Es war sehr witzig und gleichzeitig absolut deprimierend. So funktionieren Diktaturen - eine dumme Masse folgt dummen Parolen.
Hast du noch so ein Zitat parat?
Im Kapitel „Medienpolitik“ gab es den Spruch „Wandzeitungen anzukleben ist eine sehr gute Sache. Die Völker der ganzen Welt sollen davon wissen!“ Darüber kann man erstmal schmunzeln. Wenn man aber bedenkt, dass dieser Spruch aus einem Buch stammt, das von einem großen Teil der 68er als Evangelium angesehen wurde, kommt man schon ins Grübeln. Und solcher Schwachsinn funktioniert in allen Ideologien.
Du sprachst von Ungarn. Was habt ihr dort gemacht?
Wir hatten eine Ausstellung in der Kunsthalle von Szombathely. Das ist eine kleine Stadt an der österreichischen Grenze mit einer riesigen Kunsthalle, die noch in den 80er Jahren erbaut wurde. Alles völlig überdimensioniert und unwirtschaftlich. Aber der Bürgermeister von Szombathely, ein Altkommunist, hatte sich mit der Kunsthalle sein eigenes Denkmal gesetzt und war immer noch im Amt. Es war also ein Prestige-Objekt. In dieser Stadt gibt es praktisch kein Publikum für bildende Kunst und das wussten wir. In der richtigen Annahme, dass wahrscheinlich so gut wie niemand hinkommen wird, bereiteten wir die Grundlagen für einen Kongress, bei dem alle relevanten Fragen der Welt hätten gelöst werden können. Aber es kam eben niemand. An uns lag es nicht, die Welt war einfach noch nicht bereit dazu.
Die Bilder von dieser Aktion erinnern auch an NSK.
Ja, das war uns schon bewusst. Vor der Kunsthalle hatten wir unsere Fahnen gehisst und bei klirrender Kälte ein halbstündiges Video gedreht, auf dem wir wie eine Mahnwache die Kongressteilnehmer erwarten. Der ganze Film sieht aus wie Standbild, nur wenn der Wind ab und zu mal eine der Fahnen bewegt, sieht man, dass wir dort wirklich so lange gestanden haben. „Der Kongress“ war eine Dokumentation des globalen politischen Stillstands. Zu dieser Ausstellung gibt es noch eine lustige Anekdote. Igor Zabel, der die Eröffnungsrede hielt, hatte seinen Text natürlich ursprünglich slowenisch verfasst und für die Eröffnung ins Englische übersetzt. Die Grafikerin der Kunsthalle übersetzte diesen Text aus dem Englischen ins Ungarische und die Direktorin übertrug ihn aus dem Ungarischen ins Deutsche. Es war wie „Stille Post“, das Ergebnis war hundertprozentig sinnlos. Schließlich übersetzte ich die Rede selbst aus dem Englischen ins Deutsche und merkte, dass die ungarische Übersetzerin viele englische Wörter ganz einfach nicht richtig gelesen und stattdessen ähnlich aussehende Wörter übersetzt hatte. Es stellte sich heraus, dass sie auch mit Brille nur sehr schlecht sehen konnte. Wie gesagt, sie war die Grafikerin (!) der Kunsthalle. Das passte auch sehr gut zu unserem Gesamtkonzept.
Eine weitere spektakuläre Arbeit war der Rote Stern am Rhein. Worum ging es dabei?
Wir waren von der Elisabeth-Montag-Stiftung zu einer Gruppenausstellung in den Brückentürmen der ehemaligen Ludendorff-Brücke, die als die „Brücke von Remagen“ berühmt ist, eingeladen worden. Die Ludendorff-Brücke war bis kurz vor Kriegsende eine Eisenbahnbrücke über den Rhein. Sie verband die Orte Erpel am Ostufer und Remagen auf der Westseite. Als die US-Army anrückte, versuchte die Wehrmacht, die Brücke zu sprengen, was aber nicht gelang. So kam es, dass die Amerikaner an dieser Stelle erstmals den Rhein überqueren konnten. Es gibt darüber einen Film mit Yul Brunner – „Das Wunder von Remagen“. Ungerechter Weise kommt der Ort Erpel in dem Film nicht vor, obwohl die Bevölkerung weitaus mehr durch die sinnlose Verteidigung der Brücke zu leiden hatte. Die Brücke brach ein paar Tage nach der missglückten Sprengung schließlich von selbst zusammen. Heute gibt es in Remagen in den übrig gebliebenen Brückentürmen ein Friedensmuseum, auf dem die amerikanische und die deutsche Fahne wehen. Am Ostufer waren die Türme jahrzehntelang ungenutzt. Unser Konzept war, die Rheinländer mit der Idee zu konfrontieren, dass es durchaus möglich gewesen wäre, dass bei etwas anderem Verlauf der Kämpfe nicht die Amerikaner sondern die Russen den Rhein zuerst erreicht hätten. Perspektivisch wäre dann eine DDR mit dem Rhein als Westgrenze denkbar gewesen. Hinzu kam, dass es eine Anekdote über den Rheinländer Adenauer gibt, in welcher dieser – noch vor der Machtergreifung Hitlers - beim Überfahren der Deutzer Brücke in Köln die Vorhänge seines Zugabteils schloss und einem anwesenden Journalisten sagte, in Deutz, also am östlichen Rheinufer, fange der Bolschewismus an. Mit diesem Zitat versahen wir eine Postkartenedition, die wir als Gratiskarte zwischen Bonn und Koblenz verteilen ließen. Auf dem Brückenturm errichteten wir einen fünf Meter großen roten Stern und im Turm selbst initiierten wir eine Fragebogenaktion zu den Themen Rhein, Adenauer, DDR usw. Gegen dieses Projekt gab es erhebliche politische Widerstände aus CDU-Kreisen, die der Bürgermeister von Erpel – ebenfalls CDU – geradezu heldenhaft mit Verweis auf die Freiheit der Kunst abschmetterte.
Und wie haben die Ausstellungsbesucher reagiert?
Überwiegend positiv. Der Fragebogen war recht vielschichtig. Es hatte niemand das Gefühl, dass wir im Rheinland den Kommunismus installieren wollten. Die Leute haben sich amüsiert und das sollten sie auch. Der Rote Stern an sich war schon eine Provokation, aber es ging uns nie darum, einfach nur zu polarisieren. Das ist sicher auch ein wesentlicher Unterschied zur NSK. Unsere Kunst war stets undogmatisch genug, um eine Diskussion zu ermöglichen. Das Prinzip NSK funktioniert ganz anders. Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile.
Kannst du das näher erläutern?
Das Dogmatische und auch Elitäre an der NSK schließt jede Art von faulem Kompromiss aus. Das ist ein großer Vorteil, da es genügt, eine Behauptung aufzustellen, ohne diese zwangsläufig beweisen zu müssen. Als Rezipient ist man selbst gefordert und hat keine Hilfestellung zu erwarten. Auf der anderen Seite führt es zu einer gewissen Isolation. Es ist leicht möglich, sich der NSK zu entziehen, indem man sie einfach ignoriert. Die solitaire factory hatte natürlich nicht so eine Strahlkraft wie NSK, war aber bestimmt näher an den Leuten dran. Wir konnten die Debatten selbst anzetteln und erklärend und relativierend in die Diskussion eingreifen, wenn es sein musste. Für die Kunst ist das natürlich nicht zwangsläufig vorteilhaft; wir haben auch immer versucht, nicht alle Geheimnisse zu verraten.
Über NSK wurde und wird aber auch diskutiert.
Aber weniger über einzelne Projekte als über das Große Ganze. Abgesehen davon sollte man sich über die Wirkung von Kunst sowieso nicht allzu große Illusionen machen.
Trotzdem gibt es Menschen mit Angst vor moderner Kunst?
Du spielst auf die Installation mit dem Hund an. Ja, das ist eine meiner Lieblingsarbeiten, bis heute.
Erzähl mal, - worum ging es dabei?
Auch hundert Jahre nach der klassischen Moderne gibt es diese Scheu, sich auf zeitgenössische Kunst einzulassen, das war das Thema. Die Arbeit entstand in einem Schaufenster in der Leipziger Innenstadt, also quasi im öffentlichen Raum. Eigentlich sah man nur einen großen schwarzweißen Hund, der auf Malewitschs Schwarzes Quadrat starrte. An der Scheibe stand der Satz: Angst vor moderner Kunst ist heilbar.“ Das war’s, muss man auch nicht kommentieren.
Im Jahr 2000 gab es eine große Performance im Tagebau Zwenkau vor etwa 1500 Besuchern.
Ja. Das war eine Veranstaltung von Kunst Räume Leipzig, bei der wir mit dem Leipziger Tanztheater zusammengearbeitet haben. Das Konzept stammte von uns, wir hatten einen dreiteiligen Film gedreht, die künstlerische Leitung, also Musikauswahl fürs Tanztheater und die gesamte Dramaturgie lagen in unseren Händen. Die Choreographie stammte von der Finnin Jonna Huttunen. Es war ein Mammut-Projekt, technisch schwer zu realisieren, eigentlich war es ein Wunder, dass alles ganz gut geklappt hat. Einige Besucher waren wohl enttäuscht, weil sie etwas ganz anderes erwatet hatten, Feuerwerk und so was. Stattdessen gab es Krach und Kunst. Ich selbst war sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Außerdem wollte ich schon immer einmal ein großes multimediales Werk realisieren. So eine Gelegenheit hat man ja nicht so oft.
„Marinus“ war auch so ein multimediales Projekt.
Aber in ganz anderer Form. Die Tagebauaktion war ein einmaliges Ereignis, das Projekt „Marinus“ war eher ein Puzzle, das sich aus verschiedensten Elementen, Aktionen und Ausstellungen zusammensetzte.
Dabei ging es um Marinus van der Lubbe, den Reichstagsbrandstifter.
Genau. Wir hatten uns mit dessen Biografie beschäftigt und stießen dabei auf die Debatten um seine Alleintäterschaft, die bis heute fortdauern. Wir hatten ja in der Schule gelernt, van der Lubbe war ein verrückter Holländer, der mit den Nazis kooperierte. Mittlerweile glaube ich diese Version nicht mehr. Das berühmte „Braunbuch“, das beweisen sollte, dass der Reichstagsbrand von den Nazis in Auftrag gegeben wurde, besteht aus zahllosen Lügen und Halbwahrheiten. Fakt ist, dass Marinus ein ewig Scheiternder war, jung, radikal, hoch motiviert aber absolut glücklos, noch dazu wegen eines Arbeitsunfalls sehbehindert. Nach seiner Brandstiftung haben sowohl die Nazis als auch die Kommunisten versucht, ihn zu instrumentalisieren. Seine Persönlichkeit spielte dabei gar keine Rolle mehr, die historische Wahrheit sowieso nicht. Wir haben versucht, ein wenig zu seiner Rehabilitation beizutragen. Für uns ist Marinus ein verunglückter Widerstandskämpfer.
Ist das gelungen?
Naja, wir hatten einige gute Ausstellungen und Aktionen zum Thema Marinus, unter anderem in seiner Geburtsstadt Leiden, in Leipzig natürlich und im Ludwig Forum in Aachen. Aber unser eigentliches Konzept ist nicht so recht aufgegangen. Der Plan war, Marinus ebenso zu vereinnahmen wie es die Nazis und Kommunisten getan haben, allerdings mit einer zeitgemäßen Methode. Wir wollten eine Marke aus ihm machen.
Wie kann man sich das vorstellen?
Wir haben Marinus wie einen Popstar präsentiert. Es gab Marinus-T-Shirts, Marinus-Plakate, Marinus-Feuerzeuge und Streichhölzer (logisch), es gab sogar Flaschen mit hochprozentigem Reichstags-Brand. Die Kunst dazu war natürlich ernsthafter, wir stellten seine Person und seine Biografie in aktuelle Zusammenhänge.
Und wo lag nun das Problem?
Das Problem war, dass wir die Marke „Marinus“ aus dem Kunstkontext herausholen wollten. Das haben wir weder finanziell noch zeitlich wirklich geschafft. Am liebsten wäre es uns gewesen, beispielsweise Vivienne Westwood dazu zu überreden, eine „Marinus“-Kollektion zu entwerfen. Aber das war einfach zu kompliziert Hinzu kam, dass irgendwann ein Ausstellungsbesucher, nachdem er die Kunst als ganz toll und super gepriesen hatte, die Frage stellte, wer Marinus van der Lubbe eigentlich ist. Dieses Erlebnis war äußerst frustrierend und hatte großen Anteil an der Entscheidung, die Gruppenaktivitäten nach über 12 Jahren auf Eis zu legen. Jetzt mache ich meine eigenen Projekte. Anfangs habe ich versucht, neue Wege einzuschlagen. Ich habe gemalt, aber das liegt mir nicht besonders. Mittlerweile habe ich zur konzeptuellen Kunst zurück gefunden.
Und damit auch zu NSK?
NSK habe ich nie aus den Augen verloren. Gerade was den NSK-Staat angeht, hat sich ja auch einiges verändert. Lange Zeit war es gar nicht möglich, sich künstlerisch in das Projekt einzubringen, was ich durchaus verstehen konnte, weil mit einer Liberalisierung auch dem Mittelmaß und der Scharlatanerie die Türen geöffnet werden. Jetzt, wo das Volk sozusagen mitmachen darf, werde ich mich auf jeden Fall mehr in dieser Richtung engagieren. Wie das funktionieren soll, weiß ich noch nicht genau. Ich gehe mal davon aus, dass die vielen Passinhaber in vielen Punkten überhaupt nicht auf der gleichen Wellenlänge sind. NSK ist – aus welchen Gründen auch immer – nur der kleinste gemeinsame Nenner. Problematisch ist auch ein bisschen, dass das ganze Konstrukt ja immer mit den slowenischen Gründern identifiziert wird.
Das ist doch logisch, oder?
Klar, vielleicht ist die Öffnung nach außen langfristig auch keine gute Idee. Das wird man sehen. Auf jeden Fall müssen sich die Kerngruppen nun erst einmal damit abfinden, es mit einer ganzen Menge Individuen mit sicher recht unterschiedlichen Ansätzen und Ansprüchen zu tun zu haben. Weder die solitaire factory als auch ich selbst haben uns jemals in ein System einsperren lassen. Das werde ich auch in Zukunft nicht anstreben. Integration ja, aber keine Unterordnung,
Ist das möglich im NSK-Kontext?
Ich hoffe es zumindest. Im Grunde halte ich mich schon seit Gründung des NSK-Staates für einen guten Staatsbürger, obwohl ich bis heute keinen Pass beantragt habe. Der NSK-Pass war für mich bisher eher eine Art Fanclub-Ausweis. Das hat mich nicht so richtig interessiert. Mit dem Bürgerkongress und der ersten Folk-Art-Ausstellung hat sich das ja grundlegend gewandelt. Insofern ist die Möglichkeit sich einzubringen jetzt auch eine Herausforderung. Vielleicht sogar eine Verpflichtung.
Inwiefern?
Meiner Meinung nach genügt es nicht, die Laibach-Ästhetik zu bedienen, auch wenn das natürlich Spaß macht. Aber das ist in vielen Fällen schnell reines Epigonentum. Da habe ich keine Lust drauf. Die Frage ist doch, worum geht es eigentlich? Ich denke, dass NSK sich immer wieder neu definieren, sich auf die globalen gesellschaftlichen Entwicklungen einstellen muss. Es geht also um Inhalte, die künstlerisch verarbeitet werden müssen.
Was wäre da für dich interessant?
Der Freiheitsbegriff zum Beispiel. Unter Freiheit wird heute etwas ganz anderes verstanden als noch in der Zeit, als die Internationale gesungen wurde und auch etwas anderes als es die New Yorker Freiheitsstatue symbolisiert. Da gibt es künstlerisch einiges zu tun und dieses Thema halte ich durchaus für NSK-relevant. Vielleicht werde ich ja noch das, was ich in der DDR total abgelehnt habe - Staatskünstler. Aber dazu muss ich jetzt wohl erst einmal NSK-Bürger werden. Das schiebe ich schon lange vor mir her.
Nachtrag Juli 2011: Pass ist beantragt!
Nachtrag September 2011: Pass ist angekommen!
Aktuelles & Zukünftiges
In Vorbereitung:1st NSK FOLK ART BIENNALE LEIPZIG 2013
NSK Lipsk präsentiert:
AUTOPSIA (Prag)
"FACTORY RITUALS"
Bornaische Str. 31, 04277 Leipzig
Eröffnung am 24.5.2012
Leipziger Kunstverein: Tombola 2011
Sonntag, 4. Dezember 2011
28. Oktober 2011, Buchpräsentation in der Galerie KUB, Leipzig
Dr. Alexei Monroe, "State Of Emergence - The 1st NSK Citizens' Congress"
Die Dokumentation des ersten Bürgerkongresses des NSK-Staates in Berlin
Veranstaltet von NSK Lipsk, nähere Informationen siehe "Staatsbürgerkunde".
NSK Sektion Leipzig in den Räumen der alten EIGEN+ART
8.-10.7.11
Bornaische Str. 31
04277 Leipzig
Connewitzer Kunstfestival
14. Mai 2011
Stöckartstraße
04277 Leipzig
